Mit Malern wie
beispielsweise Otto Dix und Max Beckmann wird nicht nur das Individuum
ins
Zentrum der Betrachtung gerückt. Vielmehr schauen die Maler auch auf das
Leben
der Menschen in der Gesellschaft. Dabei konzentrieren sich Beckmann und
vor
allem die Künstler der Neuen Sachlichkeit auf die Großstadt. Sie gilt
bis heute
als Schmelztiegel für unterschiedliche Lebensformen. Vor allem ist sie
jedoch
ein Sinnbild für große Hoffnungen. Doch gerade diese bleiben für die
meisten
unerfüllt.
Konfrontiert mit den alltäglichen Zwängen und Notwendigkeiten bleibt
kein Raum
für Ruhe und Besinnung. Die Momente der Unbeschwertheit, des Staunens
werden
immer seltener. Die Freiheit sorgloser Kindertage ist der Jagd nach
einem
vermeintlichen Glück gewichen. Das malerische Werk von Michael Reinicke
setzt
sich mit diesem Widerspruch auseinander. So lässt sich seine neuste
Arbeit „Life
vest“(2010) als ein Plädoyer für eine Rückbesinnung auf die vergessene
Welt der
Kindheit verstehen: Eine Welt, die sich durch Neugierde, Entdecken und
Erstaunen auszeichnet und nicht durch Vereinsamung, Konsum und Hektik -
zwei
entgegengesetzte Welten, die in den Arbeiten des Künstlers ihren Raum
finden.
In den
großformatigen Ölgemälden, beispielsweise der Serie „Freaks“, widmet
sich
Reinicke nämlich dem Menschen in unserer Gesellschaft und dem Verhältnis
der
Individuen untereinander. Er unterstreicht mit jeder Arbeit, dass er ein
aufmerksamer Beobachter unseres Alltages ist. Souverän setzt er seine
malerischen Mittel ein, um mit seinen Bildern Sequenzen eines ganz
besonderen
Films, mit dem Titel Leben,
zu zeigen. Reinicke präsentiert, mit reduzierter Farbpalette und präzise
gesetzten Pinselstrichen, die Akteure unserer Gesellschaft: Seine „Crew“
sind
die vermeintlichen Gewinner der Wohlstandsgesellschaft und deren
angebliche
Verlierer. Der Maler Michael Reinicke holt sie aus der Grauzone der
Eintönigkeit heraus und zeigt sie uns in Multicolour. Seine
Protagonisten erhalten ihren großen Auftritt, ohne
jedoch vom Maler vorgeführt zu werden. Die Ruhe, gar die Idylle, die der
Künstler in seinen Bildern festhält, wird jedoch nicht von langer Dauer
sein.
Denn der Film geht weiter - im
täglichen Leben und im Kopf des Betrachters.
Roswitha Zytowski